Archiv nach Monaten: März 2012

Dieter & ACTA in der FAZ

Ich habe heute morgen endlich den Artikel vom 13. März 2012 lesen können. Was mich am meisten erstaunt: ich scheine nicht in der Lage zu sein Dieter auf die schnelle – selbst in seiner Abwesenheit – geeignete Gegenargumente geben zu können. Etwas dass ich bei fast jeder anderen Person mit einiger Energie machen würde.

Ich arbeite nun seit ca. 2005 nicht mehr mit/für ihn, aber auch heute noch ertappe ich mich beim Lesen eines Artikels dabei wie ich versuche die Situation erst einmal strategisch zu bewerten und ihm dann eine moderate Antwort zu liefern. Das ging im Berufsleben mit ihm eigentlich immer hervorragend. Und da ich ca. 11 Jahre mit ihm gearbeitet habe kann ich das glaub ich ganz gut einschätzen. Aber auch im Berufsleben fand ich seine Art zu argumentieren immer anstrengend: immer polarisierend („wir“ die Geschäftsleitung, „die“ der Betriebsrat), immer absolut („Deren Argumente sind alle nicht valide!“). Er war und scheint immer noch nur auf ein Ergebnis aus zu sein: seins. Kompromissfähigkeit erkannte ich damals leider selten, was es nicht immer einfach machte, und heute erkenne ich sie auch nicht. Er war während unserer Zusammenarbeit eine Respektperson, nicht als Vorgesetzter, sondern als Mensch. Aber der Respekt bröckelt. Leider.

Wolfgang Niedecken, Steve Jobs, Sheryl Crow und Fortran

Die Geschichte geistert nun schon seit ein paar Monaten in meinem Kopf rum, nämlich seit Wolfgang Niedecken schwer krank wurde (an dieser Stelle gute Besserung!). Ich hatte nämlich mal das Vergnügen den Herrn in illustrer Gesellschaft kennen zu lernen, wobei ich leider zugeben muss dass ich die Chance mich mit ihm näher zu befassen nicht genutzt habe.

Aber eins nach dem anderen: Es war 2003. Steve Jobs bereitete eine Keynote vor, es ging um iSight und iTunes für Windows. Die iPod Produktmanagerin ist extra aus den USA zu uns (ich war seinerzeit noch der IT Leiter der VIVA Media AG) angereist weil Sheryl Crow bei dieser Keynote per iChat von Deutschland zugeschaltet werden sollte. Und Sheryl war nun grade wegen irgendeiner Promo Tour in Deutschland unterwegs und am Keynote Abend bei TV Total in der Show. Also saßen wir 3 Tage bei TV Total Backstage und bereiteten die ca. 90 Sekunden Talk von Steve mit Sheryl vor. Es war der 16.10.2003, alles war vorbereitet, Sheryl saß in der TV Total Aufzeichnung, ihr Einsatz für die Keynote rückte näher, alle Beteiligten waren ganz aufgeregt – und dann ließ Stefan Raab sie nicht von der Couch. Sie kam ca. 20 Sekunden zu spät um das Gespäch von Steve anzunehmen. Und wenn Steve etwas überaus hasste in seiner Keynote war es eine Verspätung. Sheryl flog aus der Keynote.

Man kann die Enttäuschung im Raum kaum in Worte fassen. Sheryl wollte sehr gerne in der Keynote präsent sein, wir alle haben 3 Tage völlig umsonst Redundanzen aufgebaut und getestet. Es herrschte insgesamt eine grässliche Stille.

Und es war an Sheryl diese zu brechen. Sie lud uns kurzerhand alle zum Essen ein, sie wollte sich eh noch mit einem Freund treffen, das passe doch gut. Sie munterte alle auf und machte klar dass das kein Weltuntergang sei. Vor allem baute sie die arme Apple Produktmanagerin wieder auf die sich zu Hause von Steve bestimmt einiges anhören durfte. Wir gingen irgendwo in Köln beim Zülpicher Platz zu einem Mexikaner und trafen dort ihren Freund Wolfgang. Genau den Wolfgang Niedecken. Ich war Baff. Der Mann hat mein Abi Lied gesungen! Und wohl grade zu irgendeiner Sportgelegenheit ein Duett mit Sheryl Crow.

Und trotzdem habe ich nicht (oder nur wenig) mit ihm gesprochen. Lieber Wolfgang: das tut mir leid! Denn eigentlich wollte ich dich immer mal näher kennenlernen. Aber eins musst du verstehen: Sheryl hat sich neben mich gesetzt weil sie mal über was ganz anderes plaudern wollte, die Sheryl ist nämlich eine alte Nerd Braut. Und so verbrachten wir den Abend mit Diskussionen über verschiedene Programmiersprachen, die Ausführlichkeit von COBOL und die Absurditäten von Fortran, welches sie selber noch in aller Ausführlichkeit gelernt und programmiert hat.

An dieser Stelle einen lieben Gruß an alle Beteiligten, vor allem an Stefan Raab ohne den dieser Abend nie möglich gewesen wäre und nochmals gute Besserung an den Wolfgang.